Am letzten Wochenende im September war es endlich soweit: Zwei Studenten des Audio-Engineer-Diplom-Kurses, Arion und Nils, haben ihre Abschlussproduktion absolviert und eine mehrköpfige Band im Studio aufgenommen.

Und das war kein geringerer als Carlos Libedinsky mit seinem MAGIC SIGNS ORCHESTRA. Ein Musikprojekt, angesiedelt in Berlin, in dem Musiker aus der ganzen Welt beteiligt sind.  Improvisation, geführt von Carlos Libedinsky mit dem „hand sign system“ (unten dazu mehr) das von dem argentinischen Musiker Santiago Vazquez erst vor 15 Jahren entwickelt wurde. So entsteht eine Musik des „in between“; zwischen Komposition und Improvisation; gefüllt mit Einflüssen unterschiedlichster musikalischer Traditionen die dann – gemeinsam – eine neue musikalische Welt entstehen lassen.

Im Gegensatz zu vielen heute gängigen Produktionen in denen Instrument für Instrument nacheinander einzeln aufgenommen werden – so, dass sowohl Korrekturen der Musiker*innen als auch deren Aufnahmeeinstellungen individuell regelbar sind – spielen die Musiker des MAGIC SIGNS ORCHESTRA als Band gemeinsam im Studio. Das war auch für die Studenten eine tontechnische Herausforderung die sie, mit einer gründlichen Vorbereitung, souverän gemeistert haben.

Am Ende des Wochenendes gab es nur glückliche Gesichter.

Wer weiß, was noch kommt ;-).

 

MAGIC SIGNS ORCHESTRA

Carlos Libedinsky (from Argentina , Bandoneon, LiveElectronics, Conductor ) Ibon Goitia (from Basque Country, Sax & Flute) Gábor Hartyáni (from Hungary, Cello ) Simon Houghton (from England, Contrabass) Carlos Corona (from Mexico, Guitar) Agustín Strizzi ( from Argentina, Drums) Peter Somos ( from Hungary, Percussion and Drums)

Und hier noch was für die Ohren 🙂

 

The hand sign system by Santiago Vazquez

The Percussion with Senas is a new way to percussion, based on group improvisation in which, through a language of about 150 signs made with the hands and body, a director can coordinate the flow of improvisation making the sum of individual ideas in a true collective composition. In this way, Percussion with Signs has become an innovative practice and that points to new horizons within the world of rhythmic music in general, and percussion in particular.

But its usefulness has quickly transcended the scope of the scenarios, to become a powerful tool for social integration at various levels. Due to the simplicity of their learning, and the depth and immediacy of their results, Sign Percussion has been tested in education at preschool, primary, secondary and tertiary levels, in various types of therapy, in processes related to the work of groups and organizations, and in programs of integration of marginalized social groups.

The Signing Percussion is both a language, a method and a musical game, in which the personal and interpersonal skills necessary for the integration of groups of any kind are put into focus and effectively and totally enjoyable. Some of these skills are external and internal listening, proactive attitude, understanding of roles within the group, coordination, creativity, valuing diversity, harnessing mistakes, leadership abilities, and all of this. from the deepest enjoyment.

This language was invented by the percussionist, director and composer Santiago Vazquez , and has already been adopted by a large number of groups in several countries, including La Bomba de Tiempo , a group that Vazquez himself created to implement this method, and that It has quickly become an obligatory reference for percussion in Argentina

Was Kampfkunst und Bedarfsorientierung gemein haben

„Wir arbeiten bedarfsorientiert“. Ein vielgebrauchter Satz, der aus dem weiten Feld der sozialen Arbeit nicht mehr wegzudenken ist, und der in seiner Praxis doch sehr unterschiedlich umgesetzt wird.

Bedarf. Ein Begriff, der eigentlich der Wirtschaft zugeordnet wird und der hinweist auf einen Mangel, aus dem ein heraus eine Nachfrage entsteht. Auf ein Verlangen, einen Wunsch, ein Bedürfnis, Bedürfnisse die daraus entstehen. Bedarf kann auf Notwendigkeiten hinweisen oder „je nach Bedarf“ aufzeigen wann man etwas wie braucht.

Die Arten und Weisen wie Bedarfe ermittelt werden sind vielfältig. Im STREET COLLEGE fragen wir die Studierenden einfach, wir hören ihnen zu, wir ermöglichen ihnen ihre Bedarfe zu äußern und suchen diese, gemeinsam mit ihnen, zu verwirklichen.

Das bedeutet, dass die Kurse, die im SC entstehen, ausschließlich dem (geäußerten) Bedarf der Lernenden erwachsen. Sie bestimmen auch innerhalb der Kurse WAS, WANN und WIE sie lernen wollen – was den Bildungsprozess per se als prozesshaft, künstlerisch-experimentell und ergebnisoffen definiert.

So ist zum Beispiel an einem Wochenende im August ein Stunt-Workshop entstanden. Der Bedarf hatte sich innerhalb des Schauspielkurses entwickelt. Körperbeherrschung, körperlicher Ausdruck, Kampfszenen spielen können.

Entsteht ein solcher Bedarf, so wird dieser veröffentlicht, das heißt, „wir erzählen es rum“, wir posten ihn auf Facebook um so anderen Interessierten die Möglichkeit zu geben teilzuhaben oder sie gar auf ein bisher noch nicht benanntes Interesse aufmerksam zu machen. Ein paar Tänzer*innen aus einem internationalen Projekt kamen hinzu. Eine Dozentin eines anderen Kurses kam hinzu. Jede*r bringt die eigene Expertise mit ein.

Hier verwirklicht sich auch die dialogische Weiterentwicklung der Bildung, oder wie Paolo Freire schrieb: die Schüler-Lehrer-Beziehung, die den Dialog als Grundelement von Bildungsprozessen begreift. Die Lernenden bringen ihr Wissen und ihre Kultur als Ressource mit in den Bildungsprozess ein. Das Lehren wird nicht (mehr) als das „Füllen von leeren Gefäßen“ betrachtet. Oder schlicht: Lernen auf Augenhöhe.

Aus diesen Bedarfsäußerungen sind alle Kurse entstanden die es am SC gibt oder gab. Ganz gleich ob es nun den mittlerweile sehr großen Bereich der Musik mit elektronischer Musikproduktion, Gesang und dem Audio-Engineer-Diplomkurs, den weiten Bereich Design oder das Lernlabor meint. Es fanden Kurse in Gebärdensprache und Koreanisch statt. Die Studierenden lernen Suaheli, widmen sich dem Schauspiel und dem urban gardening.

Ob diese Bedarfe nun dem Wunsch nach einer beruflichen Perspektive entspringen, dem Willen nach künstlerischem Selbstausdruck oder einem schlichten Interesse für ein Thema ist uns egal. „Egal“ im Sinne von „gleichwertig“.

Der Stunt-Workshop hat Spaß gemacht. Interesse an dem Thema Kampfkunst geweckt. Aktuell überlegen die Studierenden in welcher Form sie sich zukünftig mit dem Thema beschäftigen wollen. WANN, WIE und MIT WEM.

Im Zentrum steht der Bedarf der Lernenden.

Sommerfest … ein Rückblick in Worten und Bildern

Ein gutes halbes Jahr ist nun vergangen seit dem das STREET COLLEGE seine erste Homebase in der Graefestraße 35 in Kreuzberg bezogen hat. Monate, geprägt von partizipativen Prozessen die sich mit Fragen wie: Welche Kurse brauchen welche Räume? Wo kommt das fette Musikstudio hin? Brauchen wir einen großen Kühlschrank oder nicht? In welcher Farbe wird welche Wand gestrichen? Sitzsäcke, Sofas, Bürostühle oder alles? Wie viel Flexibilität und Offenheit brauchen die Räume? Wie viel Rückzugsmöglichkeiten und Ruhe brauchen die Studierenden? Salat und Kräuter oder Blumen oder alles? … beschäftigt haben. Mit Ankommen und Erproben. Und das alles inmitten laufender Kurse und wohligem Getümmel.

Am 8. August waren wir dann endlich soweit und haben unsere Türen geöffnet und zum Sommerfest geladen.

 

Die Besucher*innen wurden in einer goldenen „Stärkendusche“ empfangen, mit einem Bingo-Spielzettel ausgestattet – und rein ging’s in das Vergnügen.

Neben den Möglichkeiten, sich spontan an einer Musiksession zu beteiligen, sich einer begleiteten Reise in die eigene Zukunft zu widmen, die Ausstellung mit den Acryl-Pouring-Bildern zu bewundern (die im Summer Camp entstanden sind) und selbst eines herzustellen und – natürlich – sich den Bauch mit Köstlichkeiten vollzuschlagen, gab es viel Raum für Austausch in unserem lauschigen Innenhof und Garten.

Einen weiteren Höhepunkt stellte die feierliche Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung der Schulabteilung der Jugendvollzugsanstalt (JSA), vertreten durch den Anstaltsleiter Bill Borchert und die Schulleiterin Birgit Lang, und dem STREET COLLEGE von Gangway e.V., vertreten durch die Geschäftsführerin Elvira Berndt und die Koordinatorin Tanja Ries, dar. Da durfte dann auch das obligatorische Glas Sekt zum anstoßen nicht fehlen.

Wir bedanken uns herzlich bei allen, die uns mit ihrer Anwesenheit beehrt haben, für die inspirierenden Gespräche, die tolle Musik und jede helfende Hand.

Auf das tolle Fest und alles was noch kommen mag!

 

Hier noch ein paar Impressionen:

 

Freiwillige Helfer*innen der Sozietät Freshfields Bruckhaus Deringer widmen dem STREET COLLEGE Zeit und Energie

Am 01. August sind am STREET COLLEGE zahlreiche Helfer*innen zusammengekommen, um mit vereinter Kraft dem großen Foyer der neuen Location einen großen Push in Richtung Fertigstellung zu geben. Darunter waren elf Mitarbeiter*innen der internationalen Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer, die im Rahmen ihrer pro bono Tätigkeit das STREET COLLEGE Projekt unterstützten und dabei halfen, neue Möbel für den Multifunktionsraum aufzubauen und Ton in Ton mit den Wänden anzustreichen. Weiterlesen

Bei einem Open Screen in Zusammenarbeit mit der Berlinischen Galerie bekommen Teilnehmer*innen am 31. Juli 2019 die Möglichkeit, ihre Videos, Fotos, Bilder oder Storys einem Publikum zu präsentieren. Dabei ist es möglich, das Material entweder für sich sprechen zu lassen oder ergänzend etwas dazu zu sagen. Ganz wie es den Künstler*innen beliebt. Natürlich sind auch Besucher*innen willkommen, die sich einfach nur von den Arbeiten anderer inspirieren lassen wollen. Weiterlesen

STREET COLLEGE als Best Practise Projekt

„Die Suche nach innovativen Wegen, um benachteiligte Lernende [für Bildung – Anm. d. Verf.] zu begeistern, war noch nie so dringend wie heute.“ Dieser Auszug aus dem Bericht „Increasing Learner Engagement –  Through Innovative Schooling“ bezieht sich primär auf das Australische Schulsystem, gilt aber ebenso für das Deutsche. 2018 besuchte Dan O’Hara das STREET COLLEGE als eines von drei Best Practise Projekten, in denen innovative Bildungsansätze erfolgreich entwickelt und umgesetzt werden. Weiterlesen

Bald ist es endlich soweit: Das STREET COLLEGE öffnet seine Pforten für das große Summer Camp! Nachdem wir bereits mit zahlreichen Kursen bzw. etlichen interessierten Teilnehmer*innen Leben in die neuen Räume bringen konnten, wird es auch endlich Zeit, dass wir zusammen mit allen Freund*innen, Unterstützer*innen und Kolleg*innen des STREET COLLEGE die neue Location und die Möglichkeiten, die sich nun bieten, gebührend feiern! Weiterlesen

Wo andere dicht machen, machen wir erst richtig auf. In den Sommerferien 2019 finden am STREET COLLEGE vom 8. Juli bis 4. August zahlreiche zusätzliche Workshops statt, die sich inhaltlich an den Interessen unserer Teilnehmer*innen orientieren. Weiterlesen

Am Wochenende des 14./15. Juni sprachen Florian Rockel, unser Fachbereichsleiter Musik und die Projektleiterin Tanja Ries bei der Fachtagung Aller Art Inklusion über unseren Audio Engineering Diplomkurs. Dem Plenum wurden die wichtigsten Prinzipien und größten Herausforderungen unserer Arbeit vorgestellt. Ein Verständnis von kollaborativem Arbeiten, die Bedeutung von Selbstreflexion und permanentem Aushandeln im Zuge eines kollaborativen Prozesses wurden am Beispiel des oben genannten Kurses geschildert. Weiterlesen

Große Premiere

Die Räumlichkeiten des STREET COLLEGE füllen sich mit Leben. Mit dem Pasta Panorama etabliert das STREET COLLEGE eine Event Reihe, bei der Teilnehmer*innen, Dozent*innen, Sozialarbeiter*innen und neu Interessierte zwanglos zusammenkommen und in relaxter Atmosphäre den Ort, die Menschen und die Möglichkeiten des Projektes kennenlernen.

Die große Premiere hat unsere Erwartungen übertroffen. Einige Kolleg*innen vom Träger, Menschen und Teilnehmer*innen aus der STREET COLLEGE Family sowie zahlreiche junge Erwachsene, die das STREET COLLEGE bisher noch nicht kannten, haben sich bei einer grossen Portion Pasta ausgetauscht, sich gegenseitig inspiriert und herzlich miteinander gelacht. Kaum waren die Teller leer und die Mägen gefüllt, strömten die jungen Menschen in die Kursräume, um gemeinsam zu zeichen. Beim nächsten Mal möchten sich einige der jungen Erwachsenen revanchieren und für alle kochen. Die Planung zum Ablauf haben sie hoch motiviert direkt im Anschluss an das gemeinsame Essen begonnen.

Wir freuen uns über die durchweg positive Resonanz und laden direkt zum nächsten Pasta Panorama ein, welches am 16. Mai im STREET COLLEGE stattfinden wird. Die Teilnahme ist, wie bei allen Kursen und Veranstaltungen des STREET COLLEGE, kostenfrei.